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Aktuelles
Autor: Melina Laumer

Bayerische Energieversorger erzeugen immer weniger Strom

Die für die öffentliche Stromversorgung zuständigen Energieversorgungsunternehmen in Bayern haben 2017 gegenüber 2007 um rund 30 Prozent weniger Strom erzeugt. Gegenüber dem Jahr 2016 hat sich die Stromerzeugung aus bayerischen Kraftwerken erstmals vorübergehend stabilisiert. Aber schon für das Jahr 2018 ist ein weiterer deutlicher Rückgang der eigenen Stromerzeugung durch die erfolgte Außerinbetriebnahme des Kernkraftwerkes Gundremmingen Block B zum 31.12.2017 zu erwarten. Insbesondere die Erdgaskraftwerke konnten in 2017 auf niedrigem Niveau im Vergleich zu den Vorjahren wieder etwas zulegen. „Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung der Stromerzeugung aus Erdgas aber auch aus Wasserkraft in den nächsten Jahren für unser Bundesland, denn diese garantieren unsere Versorgung immer dann, wenn der Strom aus Sonne und Wind wetter- und tageszeitbedingt eine Pause einlegen. Stromspeicher stehen uns im bedeutsamen Umfang nach wie vor nicht zur Verfügung,“sagte Wolfgang Brandl, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft e. V. – VBEW.

Im Jahr 2007 haben die Kraftwerke der allgemeinen Versorgung noch rund 74.140 Millionen kWh Strom erzeugt. Im Jahr 2017 waren es nach der Erhebung des Bayerischen Landesamtes für Statistik und Datenverarbeitung noch rund 51.993 Millionen kWh. Maßgeblich für diese Entwicklung sind das Abschalten der Kernkraftwerke Isar 1 im Jahr 2011 und Grafenrheinfeld im Jahr 2015 sowie der Rückgang der Stromerzeugung aus Erdgas insbesondere in den Jahren 2012 bis 2014.

Bei der Stromerzeugung der weiteren Energieträger ist die Wasserkraft besonders beachtenswert. Im Vergleich zum zuletzt sehr ordentlichen Wasserkraftjahr 2013 erzeugten die bayerischen Wasserkraftwerke 2017 aufgrund des wiederum eher unterdurchschnittlichen Wasserdargebotes mit rund 10.951 Millionen kWh rund 800 Millionen kWh weniger Strom als in 2013. Zum Stromverbrauch in 2017 liegen noch keine amtlichen statistischen Zahlen vor. Er ist in Bayern in den letzten Jahren in etwa konstant geblieben und liegt derzeit nach VBEW-Schätzung bei rund 80.000 Millionen kWh. Die „fehlenden“ Strommengen durch die Energieversorger werden beispielsweise von Landwirten und Bürgern mit Biogas- und Photovoltaikanlagen in das lokale und regionale Stromnetz eingespeist oder aus anderen Ländern über Stromleitungen importiert. Zudem wird auch immer mehr Strom von der Industrie, dem Gewerbe und den privaten Haushalten selbst erzeugt und gleich vor Ort verbraucht. Die genaue statistische Erfassung dieser Strommengen gestaltet sich zunehmend als schwierig.

Für die nächsten Jahre erwartet der VBEW wieder moderat ansteigende Stromverbräuche in Bayern. Grund dafür sind der Bevölkerungszuwachs, die positive Entwicklung bei der Konjunktur sowie das Vordringen der Elektrizität in die Verbrauchssektoren Mobilität über Elektroautos und in die Wärmebereitstellung über Wärmepumpen.

Die Struktur der bayerischen Stromerzeugung verändert sich fundamental. Bald gehen weitere Kernkraftwerke vom Netz.

Spätestens bis Ende 2022 gehen mit dem Kernkraftwerken Gundremmingen Block C (2021) und Isar 2 (2022) weitere rund 2.700.000 kW Leistung vom Netz und erzeugen unter Berücksichtigung des bereits in 2017 stillgelegten Block B in Gundremmingen jährlich rund 30.000 Millionen kWh weniger Strom. Dann haben die bayerischen Elektrizitätserzeuger innerhalb von 15 Jahren rund zwei Drittel ihrer angestammten Stromproduktion verloren. „Es wird von allen große Anstrengungen erfordern, diese Lücke unter Aufrechterhaltung von Versorgungssicherheit, Preiswürdigkeit und Umweltfreundlichkeit schließen zu können. Wer dabei nur auf heimische Sonne, Wind und Biomasse setzt, gibt sich einer Illusion hin und wird dieses Zieldreieck deutlichst verfehlen“, sagte Wolfgang Brandl.

Strom selbst erzeugen heißt auch Verantwortung für Andere übernehmen.

Die Sicherstellung der Stromversorgung eines hochentwickelten Landes mit einer leistungsfähigen Industrie- und Dienstleistungsstruktur wie in Bayern zu jeder Zeit ist vor allem eine komplexe technische Aufgabe, die ein hohes Maß an Expertenwissen und eine jederzeit verfügbare Technik voraussetzt.

„Lag die Verantwortung für eine sichere Stromversorgung früher auf den wenigen Schultern der großen Kraftwerksbetreiber, so erzeugen jetzt in Bayern auch mehrere 100.000 Bürger ebenfalls Strom für die Allgemeinheit. Diese Anlagen speisen in die Verteilernetze unserer Mitgliedsunternehmen ein und von dort wird der Strom zu den Verbrauchern geleitet. Die Verteilernetzbetreiber sind regelrechte Energiewendemanager geworden. Das ist eine spannende Aufgabe. Zunehmend wird auch den privaten Stromeinspeisern klar, dass sie damit eine Verantwortung für das Gesamtsystem übernommen haben“, resümierte Wolfgang Brandl.

Quelle: vbew

Stromerzeugung der Kraftwerke der allgemeinen Versorgung in Bayern 2016 und 2007
Stromerzeugung der Kraftwerke der allgemeinen Versorgung in Bayern 2016 und 2007
Stromerzeugung der Kraftwerke der allgemeinen Versorgung in Bayern 2017 und 2016
Stromerzeugung der Kraftwerke der allgemeinen Versorgung in Bayern 2017 und 2016
Artikel vom 11.06.2018